02.04.2025: Seit 2020 wird auf einem Teil der Kläranlage Davos ein Solarfaltdach über den Klärbecken betrieben. Das Solarfaltdach mit einer Leistung von 252 kWp und einer Fläche von 2'660 m² liefert einen mittleren jährlichen Solarstromertrag von 241 MWh, der zu 93 % für den Eigenverbrauch genutzt wird und 25 % des betrieblichen Strombedarfs deckt. Zusätzlich verfügt die Kläranlage über drei Blockheizkraftwerke (BHKW) und einen Wärmetauscher. Das Solarfaltdach speist seinen Strom direkt in das Netz der Kläranlage ein, während die BHKW derzeit noch mit vertraglich geregelter Volleinspeisung betrieben werden.

Bereits ein zweites Solarfaltdach in Planung

Ein weiteres geplantes Solarfaltdach über den Rundbecken mit ca. 350 kWp würde die Eigenstromproduktion weiter erhöhen. Aufgrund der Höhenlage von 1‘500 m ü.M. ist die Einstrahlung auch in den Wintermonaten hoch und die Reflexion des Schnees (Albedo-Effekt) erhöht die Stromproduktion zusätzlich. Mit dem Einfahren der Module bei Schneefall ist das Solarfaltdach optimal für solche Bedingungen ausgelegt.

Betriebsleiter Markus Wendler erklärt: „In Vorbereitung auf ein zusätzliches Solarfaltdach und das Auslaufen der Einspeiseverträge der Blockheizkraftwerke haben wir einen neuen, größeren Gasspeicher in Form eines Gasballons errichtet.“ Damit werde die Stromproduktion aus Faulgas flexibler und kann besser vom Tag in die Nacht verlagert werden. Die Wärme für die Faulgasproduktion liefert der Wärmetauscher. Dieser entzieht dem Abwasser nach der Nachklärung zusätzliche Energie und führt diese den Faulbehältern zu. Damit ist die Faulgasproduktion auch unabhängig von der Wärmezufuhr aus dem BHKW möglich.

Überschüssigen Solarstrom in einem Wärmespeicher nutzen

Für die Zukunft gibt es weitere Überlegungen, überschüssigen Strom aus der PV-Produktion in einem Wärmespeicher zu nutzen. Durch die Abstimmung von Photovoltaik und BHKW können Synergien optimal genutzt werden. Voraussetzung ist, dass die Stromproduktion mittels BHKW flexibel gestaltet werden kann. „Das Energiemanagement mit einem hohen Anteil an Solarenergie ist für uns eine herausfordernde, aber spannende Aufgabe“, so Markus Wendler. Es sei wichtig, die eigenen Komponenten und Prozesse zu kennen, um die optimale Abstimmung zu finden. Die Kläranlage Davos kann die wechselnde Bewölkung gut ausgleichen. Dabei ist es wichtig, die Spitzen ins Netz einzuspeisen, um fehlende Energie auszugleichen. Die Möglichkeit, die benötigte Leistung aus dem Netz zu beziehen, bleibt unverzichtbar. Generell wäre auch eine Lastspitzenregelung bei zu hoher Leistung denkbar und auch netzdienlich. Eine Regelung auf z.B. 70% der Leistung würde immer noch ca. 95% der maximal zu erwartenden Energie liefern. Dies sei jedoch noch Zukunftsmusik und erfordere die Mitwirkung aller Akteure des Energiesystems.